Genau vor einem Jahr.

Donnerstag Morgen. Die U-Bahn ist zum Brechen voll … ahhhh nicht mal einen Sitzplatz *grummel*. Ein Blick in die Gesichter … geht gar nicht. Alle starren auf ihr Handy und posten, chatten, whatsappen. Einige haben tatsächlich ein Buch in der Hand – ist das nicht schon old-style? Kein einziger hat den Ansatz eines Lächelns auf den Lippen.

genervt

Da fällt mir immer Vera Birkenbihl ein – 1 Minute vor sich hingrinsen und Du bist fröhlicher! WARUM, fragst Du? Ganz einfach, Dein Gehirn weiß nicht, ob es „echt“ ist. Durch das Hochziehen der Mundwinkel glaubt Dein Gehirn Du lachst und lässt Glückshormone ausschütten.

Gut, ich lehne mich mal an die wunderschöne, graue Stange in der Mitte. Ein kleiner Poledance gefällig … wenn ich es könnte, dann hätten alle hier eine lustige Zeit. Feig, denk ich mir, trau mich doch nicht ;-). Ich träume lieber weiter vor mich hin.

Es war wieder ein wunderschönes Wochenende „am Land“. Im Nachbarort Burgau wird die Weihnachtsausstellung im Schloss vorbereitet. Ich habe mir Inspiration für die Dekoration des Hofes geholt. Wann kann ich die wohl umsetzen? Natürlich erst nächsten Samstag. Oder „kommenden“ – wie ist nun das „richtige“ Wording? Mit den Nachbarn hatten wir darüber eine sehr lustige Diskussion, keiner wusste mehr von welchem Tag wir sprachen. Im Endeffekt haben wir uns auf ein Datum geeinigt ;-).

Ein wenig im Garten gewerkt, am Abend mit den Nachbarn beim Weingut Glatz zur Weinverkostung. Ganz wie in der Stadt. Doch günstiger. Und es herrscht eine unglaubliche Ruhe. Kein Stau, gastfreundliche Menschen und kein Stress!

Nun gehören wir auch zu jenen, die „pendeln“. Unter der Woche Wien, am Wochenende ins Burgenland. Freitag Mittag, spätestens um 12.30 Uhr „abrauschen“, sonst stehen wir mit den „Anderen“ im Stau. Und natürlich Sonntag Abend retour, sonst kommen wir Montags nicht rechtzeitig in die Arbeit.

Heute, ein Jahr später, gehören wir zu jenen, die es geschafft haben: Leben und Arbeiten am Land – mit kurzen „Ausflügen“ in die Stadt.

Welche Voraussetzungen sind dafür notwendig?

  • Ein Job, der Arbeiten von zu Hause zulässt!
  • Einen Arbeitgeber, der mit Homeoffice einverstanden ist!
  • Ein leistungsstarkes Internet in der Gemeinde!
  • Eine andere Idee, wie Du Deinen Lebensunterhalt am Land verdienen kannst!
  • Soziales Netz am Land und in der Stadt!

Allgemein gesehen ist meiner Meinung nach ein gründliches Umdenken in der Privatwirtschaft, in der Politik und natürlich bei uns selbst notwendig!

Habt ihr den Klimagipfel letztes Jahr in Paris mitverfolgt? Wenn wir so weitermachen wie bisher, erwärmt sich die Erde um bis zu 5 Grad! Das würde zu schrecklichen Klimakatastrophen führen. Als Ziel hat man sich gesetzt, die Klimaerwärmung auf weniger als 2 Grad zu begrenzen. Das geht jedoch nur, wenn wir in der Zukunft auf die fossilen Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas verzichten und unsere Energieversorgung auf erneuerbare Energien umstellen!

Wie man beim Umweltbundesamt in Wien nachlesen kann: Der PKW-Verkehr ist einer der Hauptverursacher bei den klimarelevanten Gasen! Seit 1990 ist im Verkehrssektor eine Zunahme der Treibhausgase um rund 64% zu verzeichnen. Ganz schön üppig!

Laut einem Artikel im Standard aus dem Jahr 2015 (Daten von Statistik Austria) arbeitet jeder zehnte erwerbstätige Österreicher mehr als 50 Kilometer von seinem Wohnort entfernt, immerhin jeder zwanzigste mehr als 100 Kilometer. Die Pendlerhochburgen sind Bezirke im nördlichen Niederösterreich und das Südburgenland. Viele Menschen machen sich teilweise tagtäglich in Richtung eines weit entfernten Arbeitsplatzes auf, der meist im Großraum Wien liegt.

Was können wir tun?

Jeder einzelne: mutig sein. Vielleicht mal selbst einen Schritt vorausgehen, wenn es um das Thema Homeoffice geht: mit dem Arbeitgeber reden, am Ball bleiben und nicht aufgeben! Oder sich selbst hinterfragen, kann ich etwas besonders gut, mich damit vielleicht sogar in die Selbständigkeit wagen?

Oder ein kleiner Schritt: ich habe heute eine Facebookgruppe entdeckt, gelesen in einem Artikel in der BVZ (eine DER burgenländischen Regionalzeitungen): „gimme a ride – Wien-Südburgenland“ – mit einer Mitgliederzahl von bereits über 1.300 Leuten. Hier postet, wer wann wen mitnehmen kann. Bzw. kann man hier ganz einfach nachfragen, ob wer wen mitnehmen kann. Coole Sache – hinzugefügt in die Gruppe kann man jedoch nur von jemandem werden, der einen kennt! Werde ich gleich mal nächste Woche ausprobieren :-).

Politisch habe ich persönlich nun Erfahrung mit „den Schwarzen“ gemacht. Mein Friseurbesuch im Nachbarort hat Früchte getragen. Friseurchefin, Marianne Hackl, (Mitglied des Bundesrates, ÖVP und Vizebürgermeisterin von Wörterberg) hat ihre Kollegen zu einer Betriebsbesichtigung bei uns am Hof eingeladen. Aus der sich wiederum die Pressekonferenz der ÖVP Burgenland am 4.11. bei uns ergeben hat. Als Ziel hat sich die Partei gesetzt mit den Menschen im Südburgenland in Kontakt zu treten und konkrete Vorschläge zu sammeln, um die Abwanderung zu stoppen und die Zuwanderung zu fördern. Dazu gibt es nun Auftaktveranstaltungen in den Bezirken, Startschuss ist der 8.11. in Güssing. Mit zukunftsweisender Energiepolitik, Kooperation von Landwirtschaft, Wirtschaft und Tourismus stehen hier nicht nur Schlagworte, sondern was mir am ersten Blick gefällt: konkrete Punkte, die auch umgesetzt werden.

Das sehe ich als guten Anfang.

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